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Eine schamanistische Reise in Jazz

Marshall Allen & THE SUN RA ARKESTRA . 3. Mai 2019 . IBZ . Wuppertal . Planet Erde.

Es gibt magische Ereignisse im Wuppertaler Kulturleben, die Theater Anderwelten featured. Weil sie seelenverwandt sind, uns begeistern und zuweilen unter dem Radar der Radar der Presse hindurchsegeln. Weil sie den Besuchern wunderbare Momente schenken, die sich anschicken, noch eine Weile in unserem Inneren nachzuhallen. So geschehen am 3. Mai 2019  im Internationalen Begegnungszentrum  der Caritas in Wuppertal. Dort gastierte - und das grenzt an ein Wunder - das Sun Ra Akrestra. Es war eine bewegende und berührende Reise in die Geschichte von mehr als einem halben Jahrhundert afroamerikanischer Jazzmusik. Das Sun Ra Akrestra katapultierte die Zuhörer auf seine ganz eigene Weise in eine intergalaktische Anderwelt.

 

Wir freuen uns, die großartigen Fotos von Daniel Schmitt in einer Slideshow zeigen zu können. Sie spiegeln die kochende Energie während des Konzerts, und es sind wunderbare Musikerportraits darunter, u.a. des Bandleaders Marshall Allen, der mit 95 Jahren das Arkestra im Spirit Sun Ras leitet.

 

Dank an Charles Petersohn, der dieses Konzert für das IBZ organisiert und für Theater Anderwelten einen Gastbeitrag geschrieben hat. Das Bild von Marshall Allen und ihm stammt von Uli Armbruster.

Es war ein Geschenk, als Fan dieses intergalaktischen Kollektivs einen solchen Abend gestalten zu dürfen. Dank an Uli Armbruster, der mich fragte, ob ich Sun Ra diesmal veranstalten wolle, und vor allem Dank an meine Kolleginnen des Internationalen Begegnungszentrums der Caritas, die durch ihre Zustimmung und Unterstützung dieses interkulturelle  Highlight ermöglichten.  

 

Es wurde mehr als ein Konzert im ausverkauften kleinen IBZ, es war eine beseelte Party, eine schamanische Reise in Jazz. 

Was macht diese Band heute noch aus, 62 Jahre nach ihrer Gründung? Nach wie vor ist der Mix aus Swing, African Grooves und Free Jazz einzigartig. Die Chants, teilweise solo und brillant gesungen von der jungen Sängerin Tara Middleton (Jupiter Girl Blue), teils vom gesamten Kollektiv, sind spirituelle Einladungen in die unendlichen Weiten des Universums. Sun Ra, der Meister, kam, so heißt es, vom Saturn und ist dorthin zurückgekehrt. Er war der erste Pianist, der um 1955 E-Pianos und später Synthesizer im Jazz benutzte. Er war der erste, der die Elektronik nutzte, um Free Jazz mit Soundattacken zu radikalisieren. Seine Texte sind wie Gospels Songs, Loblieder auf die Befreiung der Afroamerikaner, Miterfinder des Afro-Futurismus. Es ist diese große Band, die so gut aufeinander eingespielt ist, seit 1964 für fast 40 Jahre in einem Haus in Philadelphia gemeinsam lebte, probte und komponierte und nebenbei einen Lebensmittelladen betrieben hat. Die Band, die länger existiert als die Rolling Stones, hat eine enorme Kraft und zelebriert Abend für Abend, Stadt für Stadt, eine ansteckende Spiel- und Lebensfreude. Die Space Kostüme, mit denen sie auf die Bühne gehen, tun ihr übriges. Von Anfang an hat das Arkestra seine Platten selbst produziert und über ihre eigenen Label SATURN und EL SATURN vertrieben. Die Cover wurden teilweise mit Filzstift und Kuli im Flugzeug, Zug oder Bus von den Musikern selbst gestaltet. Einige der 500 Platten und CDs wurden auch bei großen Labels veröffentlicht, sie bilden aber eine Ausnahme. Das Kollektiv verwaltet sich selbst. Manager ist der Arkestra Percussionist Elson Nascimento, ein freundlicher brasilianischer Gentleman. Und last not least ist da Marshall Allen, der seit mittlerweile 55 Jahren in der Band spielt und nach der Rückkehr Sun Ras zum Saturn vor etwa 25 Jahren die Leitung der Band übernommen hat. Ein kleiner, äußerst herzlicher Mann, der von den Bandmitgliedern verehrt und geliebt wird, und in seiner Art ein wenig an Master Yoda erinnert. Er ist ein exzellenter Free Jazz Saxofonist, liebt es, mit dem EVI und seinem Casio Mini Synthesizer den Jazz mit Störgeräuschen zu untermalen, die Musiker zu provozieren, damit sie vertrautes Terrain verlassen und Spacenotes spielen. Spacenotes sind Klanggebilde, die sich ergeben, wenn jeder einzelne Musiker etwas anderes spielt. Der daraus resultierende Klang ist Free Jazz par excellence. Seit mehr als 50 Jahren betreibt diese Band, dieses Kollektiv, einen Arbeitsethos und ein Lebensmotto, von  dem sich seit der Hippie-Ära Menschen hingezogen fühlen, die ihre Unabhängigkeit erhalten wollen, die ihr eigenes Ding konsequent und nach allen Regeln der Kunst durchziehen. Das Arkestra ist dafür nach wie vor ein leuchtendes Beispiel: DIY – do it yourself!

Space Is The Place!                                                                                                                                                                                                                   

 

                                                                                                                                                                                                                                                            Charles Petersohn

Premiere in der Schweiz

 

Mit dem Stück Der Blaue Reiter ist gefallen präsentierte sich das Theater Anderwelten im Rahmen des XXII. Else Lasker-Schüler-Forums.

 

Auf magische Weise nahm das Multimedia-Stück über die bewegende Freundschaft zwischen der exzentrischen Dichterin Else Lasker-Schüler und dem expressionistischen Maler Franz Marc die Zuschauer mit auf eine Zeitreise an den Beginn des vergangenen Jahrhunderts, die „Belle Epoque“. Das Stück zeigt die Träume und Hoffnungen, aber auch über die Irrtümer der expressionistischen Generation. Der Brief- und Bildwechsel der beiden Künstler, der zu den schönsten und bewegendsten der Literatur- und Kunstgeschichte gehört, fügt sich zu einem beklemmenden Gesamtkunstwerk, in denen jene Schicksalsjahre Europas wieder lebendig werden. Mit der Uraufführung des Stückes im Teatro San Materno (Ascona) kehrten Else Lasker-Schüler und Franz Marc zurück auf den Monte Verità, dem legendären Berg der Wahrheit. Hier lesen Sie einen Bericht über das Literaturforum von Heiner Bontrup von Ulla Backes.

Bericht über das XXII. Else-Lasker-Schüler-Forum in Ascona und auf dem Monte Verità

Vom xxx bis xx fand in Ascona, Schweiz, das XXII. Else-Lasker-Schüler-Forum statt. Im legendären Teatro San Materno, das einst für eine der Mütter des Ausdruckstanz Charlotte Bara im Bauhausstil errichtet wurde, gastierte das Theater Anderwelten mit seinem ultimedialen Stück Der Blaue Reiter ist gefallen oder: Europa am Abgrund. Lesen Sie einen Rückblick auf das Forum von Heiner Bontrup und Ulla Backes: