Die Schutzbefohlenen // Uraufführung in der Wuppertaler Oper am 7.11. 2017

                                                                                                                                                                                                                                                                     Fotos: Ava Weis

Heiner Bontrup gelingt mit "Die Schutzbefohlenen" ein eindrucksvolles Programm

 

Szenische Lesung und Musik, Tanz und bewegte Bilder – auf der Bühne des Opernhauses waren „Die Schutzbefohlenen“ ein Augen und Ohren füllendes Erlebnis. Dabei lässt sich die „Video-Suite“, wie Autor Heiner Bontrup es nennt, auf einen Satz zurückführen: „Gastrecht ist Menschenrecht“. Dieses Thema holen Bontrups „Schutzbefohlene“ in eine Gegenwart, in der Geflüchtete in Europa einen schweren Stand haben, und bereiten es mit allen zur Verfügung stehenden Kunstmitteln auf. Julia Wolff beeindruckt erneut in der Rolle von Else Lasker-Schüler. Die Schauspielerin, die schon in der Inszenierung „IchundIch“ die Dichterin verkörpert hatte, überzeugte hier als Botschafterin des Werks. Ihr nahm man die traurige Hommage an Elses Exil („Gott hat Jerusalem lieb“) ebenso ab wie den utopischen Überschwang. Wenn sie ihrer Dialogpartnerin Margaux Kier den Plan eines Jahrmarkts ans Herz legte, um „die Völker zu versöhnen“, wurde aus der Szenischen Lesung echtes Schauspiel. Ergreifend sang Kier den Soul-Klassiker „Ain’t No Sun­shine“ – nicht zufällig eine Geschichte von Einsamkeit und Verlust. Vielschichtig im besten Sinne waren die Videobilder, mit denen Gregor Eisenmann den Saal bespielte. Road Movies verschmolzen mit Wuppertal-Impressionen, Textflächen mit abstrakten Mustern. Das Publikum deckte alle Beteiligten mit frenetischem Applaus ein.

 

Westdeutsche Zeitung, 9.11.12017

 

Große Bühne fürs Exil: Heiner Bontrups "Die Schutzbefohlenen im Opernhaus Wuppertal

 

Ein Ereignis, auch wegen seiner Dimensionen: Im Opernhaus war die Uraufführung „Die Schutzbefohlenen“ zu sehen, die der Autor Heiner Bontrup verantwortet und „Video-Oratorium“ genannt hat. Entstanden ist eine sinnliche Schau zu erzwungener Fremdheit und der Zeitlosigkeit dieses Schicksals.

 

Groß ist nicht zuletzt Kreis wie auch Rang der Teilnehmenden der Kulturszene, die sonst selten gemeinsam auf einer Bühne stehen. Das Ensemble der Kölner Hochschule für Musik und Tanz, (Standort Wuppertal) trägt den Abend musikalisch. Mathias Haus schuf dafür Kompositionen mit dem Anspruch, die Worte in moderne zeitgenössische Musik zu verwandeln. Gespielt werden diese von einem zehnköpfigen Orchester–- darunter neben Klavier und Streichern auch Schlagzeug, Harfe und ein Flügelhorn. Schauspieler der Bühnen sind aufgefahren, darunter der Intendant, eine Tänzerin aus Pina Bauschs Zeit an der Spitze des Tanztheaters, ein renommierter Lichtkünstler.

Und vor der Aufführung gibt es eine Podiumsdiskussion: Neben Heiner Bontrup sind unter anderem Matthias Nocke, Wuppertals Kulturdezernent, und Hajo Jahn, Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft dabei. Thema: "Flucht und Verfolgung: ein Menschheitsthema?" Die Linie des Stücks beantwortet die Frage klar mit „ja“. Bei besagter Pluralität der Mittel ist zunächst einmal protokollarische Sorgfalt sinnvoll, um den Überblick zu sichern, beginnend mit den kontinuierlichen Elementen: Ein Video des Lichtkünstlers Gregor Eisenmann läuft als Projektion wandfüllend zum gesamten Bühnengeschehen. Angelegt ist es abstrakt bis assoziativ; konkret wird es etwa wenn es vorne um Flüchtende in Seenot geht und die zuweilen amorphen Bilder sich formen zu fragilen Schiffchen. Sie machen die Lebensgefahr neben der verbalen Live-Aktion sichtbar. Mehr Visualisierung braucht es nicht. Eine Art „Stream“ bildet zusammen mit dem Film die Musik: Das Hochschulensemble vertritt verlässlich die zweite Kunstform des Abends, die durchgängig präsent ist und prägt. Was dann die Bühnenaktion und ihre Akteure betrifft: Da gibt es einerseits Figuren und, andererseits, kurz gesagt, Sprecher. Zu Letzteren gehört Thomas Braus, der schon zu Beginn ans Mikro tritt: würdevoll, aber in gebotener Zurückhaltung. (...)  Else Lasker-Schüler ist zunächst Autorin der von Julia Wolff vorgetragenen Texte, aber zur Gestalt, zum Bühnensubjekt also, macht Wolff sie bald doch auch. Und das nun wird man die zentrale Idee der Dramaturgie von „Die Schutzbefohlenen“ nennen dürfen: die Zusammenführung von historisch und heute, von Jubiläum und Politik, Biografie und Gegenwart. Die Begegnung der Jüdin zur Nazizeit und der Syrerin im Bürgerkrieg. Margaux Kier ist ihr aktuelles Gegenüber und spricht die Dichterin direkt an, anrührend treten die Frauen über die Zeit in den Dialog. Kier war es auch, die zuerst, neben den real Geflüchteten ganz als menschliches Individuum wirkte.

 

Engels-Kultur, 13.11.2019

 

Die vierte Wand wich der vierten Dimension

 

Heiner Bontrup hat am vergangenen Donnerstag mit dem Theater Anderwelten eine fulminante Uraufführung der Video-Suite „Die Schutzbefohlenen auf die Bühne der Oper Wuppertal gebracht.Gregor Eisenmann hat mit kunstvollen Überlagerungen der Bildwelten auch den Zuschauerraum illuminiert und das Geschehen auf der Bühne damit mehr als illustriert: der Klangteppich aus Stimmen, Musik und Applaus fand sich im Linienspiel der Projektionen. So wich die vierte Wand er vierten Dimension. Toll war das!

 

Birte Fritsch, Kuratorin der Veranstaltungsreihe Meinwärts - 150 Jahre Else Lasker-Schüler

 

Die Musik war einfach wunderbar!

 

Ich möchte Sie (Herrn Hajo Jahn) und selbstverständlich auch Herrn Bontrup zu der Veranstaltung "Die Schutzbefohlenen" am vergangenen Donnerstag im Opernhaus sehr herzlich beglückwünschen. Das war wirklich unglaublich beeindruckend und die Musik war einfach wunderbar. Ich habe diesen Abend sehr genossen.

 

Brigitte Melchers, GEDOK Wuppertal e.V.